Die Nächte in Tokyo werden immer kürzer. Aber heute freiwillig. Wir sind mit dem Shinkansen ins 450km entfernte Kyoto gefahren. Dafür hiess es um 5 Uhr aufstehen. Die Strassen sind um diese Zeit noch Menschenleer und auch in den Zügen hat es noch freie Sitzplätze. Und dies ist eigentlich wie ein sechser im Lotto in Tokyo. Normalerweise hat man die Haarschuppen des Vordermannes direkt im Gesicht und ein Handy drückt von hinten gezielt zwischen die 12. und 13. Wirbelsäule. Beim Einsteigen wird man von hinten in den Wagen geschubst und beim Aussteigen kämpft man sich wie in einem Urwald dem Ausgang entgegen. Am Bahnsteig hat es jeweils gelbe Markierungen, damit man genau weiss, wo die Türe zum stehen kommt. Dort stehen alle schön artig in einer Reihe an. Der letzte hat von Vorteil die Statur eines Sumoringers, er hat die Aufgabe, die Reihe in den Zug zu drücken.

Herrrreinspaziert, jeder hat Platz
Dieses Foto haben wir gestern um 9 Uhr abends gemacht, also nicht unbedingt zur Rush hour. Wie gesagt, heute wurden wir von hinten nicht angeschoben und „mussten“ den Zug mit eigener Muskelkraft betreten. In Shinagawa sind wir in den Shinkansen nach Kyoto umgestiegen. Der war dafür proppenvoll, eine Sitzplatzreservation ist also sehr sinnvoll. Auf dem Weg dorthin sind wir beim Berg der Berge vorbeigefahren, dem über 3700 Meter hohen Fuji.

Fuji ohne Film (Copyright by Judy, aka ジュディス) P.S. Ich wurde gezwungen, dies hinzuschreiben 😉
Heute war der Tag in Kyoto ganz im Zeichen der Religion und wandern, beziehungsweise Treppensteigen. Gleich nach unserer Ankunft in Kyoto sind wir auch wieder abgefahren. Wir sind weiter nach Arashijama mit dem Regionalzug, unser erstes Ziel war der Daikakuji Tempel.

Ein Tempel halt…
Der Daikakuji ist ein buddistischer Tempel und wurde im Jahr 876 begründet. Vor dem Tempel sitzt der Froschkönig in einem Teich und lässt sich mit Geld füttern. Als Gegenleistung dazu bekommt jeder/jede, welche(r) mit einer Geldmünze in die Schüssel vor seinem Maul trifft, viel Glück für das weitere Leben und wird vielleicht zur Prinzessin/Prinzen verzaubert.

Es werden keine Kreditkarten oder Noten akzeptiert
Und zu jedem Tempel gehört natürlich auch ein gepflegter Garten. Den haben wir nun erkundet. Die Ahornbäume zeigen gerade ihr schönstes Gesicht und blühen in intensiven Farben. Und nicht nur die… 😉


Auf dem Weg zur nächsten Religion, beziehungsweise Schrein, welcher am anderen Ende der Stadt ist, haben wir uns ein Bärliglace gegönnt:

Jöööööööhhhhhh…. und fein
Ach ja, den katholischen Papst haben wir auch noch gesehen, beziehungsweise sein Papamobil. Zumindest sieht es genau so scheusslich aus. Zur Tarnung wurde es einfach schwarz gespritzt, nicht, dass noch rauskommt, dass der Papa fremd geht.

Papamobil inkognito
Am Nachmittag gings zum Fushimi Inari-Taisha Schrein, er gehört zu den bekanntesten Shinto-Schreinen in Japan. Buddhismus und Shinto sind die zwei bedeutesten Religionen in Japan. Das Erkennungszeichen der Shinto ist der sogenannte Torij, Es handelt sich dabei um Tore aus Holz oder Stein, die oft rotfarben lackiert sind.

Eingangstor des Fushimi Schreins mit einem Torji im Vordergrund.
Von diesem gibt es in Fushimi über 5000. Jetzt kommen wir zum zweiten Hauptpunkt von heute, dem wandern. Natürlich wollten wir heute durch alle 5000 Tore durchlaufen. Ehre wem Ehre gebührt. Die Tore säumen den ganzen Weg hinauf zur Bergspitze und stehen in Reih und Glied.

Mit der Zeit sieht man nur noch rot
An den Pfosten sind jeweils die Namen der Sponsoren aufgemalt. Man kann beim Haupteingang für knappe 10 Franken einen Miniatur-Torji kaufen, dort die Namen draufkritzeln, welche dann wiederum auf die grossen Torjis gemalt werden. Wir haben das natürlich nicht gemacht, da wir Religionsneutral sind 🙂

Sponsorenwald
Nach einem knapp 45 minütigem Sponsorenlauf und unzähligen Treppenstufen erreichten wir doch noch den Gipfel. Auf dem Weg dorthin sind wir immer wieder bei solchen „Steinanhäufungen“ vorbeigekommen.

Ein Steinwirrwar
Leider sind wir der japanischen Sprache immer noch nicht ganz mächtig und konnten somit die Infotafeln nicht verstehen. Aber dank Google wissen wir jetzt, dass wir eigentlich den ganzen Nachmittag auf einem Friedhof waren. Jedes dieser Gräber ist so quasi ein kleiner Schrein.
Am Fusse des Berges hat es einige grössere Schreine und Gebetshäuser wie dieses zum Beispiel:

Hier stehen die Gläubiger am Rande, klingeln an einer Art Kuhglocke und werfen einige Münzen in ein Gitter. Da kommt einiges an Geld zusammen. Wir waren zufällig dabei, als der gutgesicherte Geldtransporter vor dem Haus anhielt, drei schwerbewaffnete Männer ausstiegen, das Geld säckeweise einsammelten und abtransportierten. Hier der Beweis, der Geldtransporter fährt gerade davon:

Geldtransporter „back to the roots“
Ok, ein bisschen geflunkert. Aber was stimmt, sind die Säcke voller Geld.
Es dunkelte nun schon wieder ein, wir mussten uns wieder auf den Weg zum Bahnhof machen, für den „Heimweg‘ nach Tokyo. Aber nicht ohne vorher was gegessen zu haben. Hier war aber nicht das Hauptgericht der Star, sondern der Abspann aka Dessert:

Marroni Pancake
Jetzt ist es kurz nach 23 Uhr und die Augen sind nur noch dank einem Zahnstocher offen…
Guet Nacht!
