Tokyo Tag 2 (18.11.19): Die Mauer bewegt sich


Zweiter Tag, noch wärmer, noch schöneres Wetter. Heute wurde es ganze 21 Grad. Der Frühling kommt….

Diese Nacht war 18 Grad wärmer als die letzte, die Schlafenszeit aber leider nicht 18x länger. Darum brauchte ich zu Frühstück einen kleinen Shot. War aber alles auf japanisch angeschrieben ausser ein Wort: Healthy. Das reicht mir schon, um es zu nehmen. Ich vertraue der Werbung immer 🙂 Ich weiss jetzt noch nicht, was es genau war, aber es hat mich durch den langen Tag gebracht und zwar healty.

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Healthy UND New – was will man mehr

Heute gab es einen Fixpunkt, die Erklimmung des zweithöchsten Gebäudes der Welt gegen Abend. Alles andere war Beilage. Wir haben uns heute das Viertel Shibuya ausgesucht, dieses ist neben eines Hundes auch noch für eine „Alle-gehen-Kreuzung“ weltbekannt. Achtung , jetzt kommt ein Klugscheisser Satz: „Alle-gehen“ nennt man Strassenüberquerungen, bei der es Fussgängern möglich ist, die Strassenkreuzung nicht nur rechtwinklig, sondern auch diagonal zu überqueren und alle Ampeln gleichzeitig Grün haben <Klugescheissermodus aus>. Bis zu 15’000 Personen überqueren in Spitzenzeiten gleichzeitig die Kreuzung. Fünfzehntausend! Also gemäss Schweizer Definition eine ganze Stadt.

Bei uns waren es nur maximal 3428 Fussgänger (persönlich gezählt). Es sieht aber schon eindrücklich aus, wenn sich auf der Gegenseite sich langsam eine Mauer aus Menschen auftürmt und geduldigt wartet, bis ein kleines Licht seine Farbe ändert, und dann wie eine Welle losschwappt bis sie auf die gegenüberliegende Welle trifft. So muss es wohl früher auf den Schlachtfeldern ausgesehen haben. Aber anstatt einer Hellebarde sind heute alle mit einem Handy vor der Brust ausgestattet. So gesehen gibt es sehr wenige Unfälle, obwohl viele auf den Boden schauen beim überqueren.

Attackeeeeee……

Ok, die Touristen verfälschen ein bisschen die Statistik. Viele davon laufen bis in die Mitte, machen dort eine kurze Verschnaufspause (Neudeutsch eine Insta-Pose) und gehen dann weiter. JA, auch wir!

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Ich habe heute ein Foto für dich!

Ich bin, glaube ich, noch nie soviele Male in einer so kurzen Zeit über die gleiche Strasse gelaufen. Nicht einmal in der 2. Klasse, als der Polizist uns das sichere Überqueren einer Strasse beibrachte.

Gleich neben der Kreuzung befindet sich auch die Statue des berühmten japanischen Hundes mit dem Namen Hachiko. Um den zu fotografieren stehen dort mehr Menschen an, als an der Migros-Kasse an Weihnachtsabend.

Der berühmteste Wauwau neben Lassie und seine Jünger

Hachiko gehörte vor fast einem Jahrhundert einem Professor, welcher auf dem Weg zur Arbeit immer von Haki begleitet wurde. Doch als der Prof starb, patschelte Hachiko trotzdem weiterhin jeden Tag zum Bahnhof um auf sein Herrchen zu warten.

Als wir beides genügend lange bestaunt hatte, ginge es wieder mit dem Zug weiter zur Tokio Station, so quasi der Hauptbahnhof von Tokyo. Wir wollten neben dem Kaiserpalast auch noch nach einem Tamagotchi suchen. Genau, das ist das Ding, welches man vor 20 Jahren elektronisch Tag und Nacht füttern und Grossziehen musste. So quasi die erste Version einer Spielkonsole.

Tamtagotchi 2.0

Aber man schwelgt ja nicht nur in der Vergangenheit, sondern ist als weltoffener Bürger auch an den neusten Technologien interessiert. Also habe ich mir vor den Ferien einen grösseren Betrag auf meine Revolut Karte transferiert um so nicht den Transfer- und Geldwechselgebühren unterworfen zu sein. Lieber das gesparte Geld für einen Tamagotchi ausgeben.

Aber Pustekuchen, in Japan akzeptiert keiner meine revolutionäre Karte, so ein Drittweltland aber auch! Also war Plan B das Geld wieder auszuzahlen via Bancomat. Tja, das mit den Bancomaten ist so ne Geschichte… Zuerst muss man erst mal einen finden und wenn man dann einen hinter einer Säule oder in der hintersten Ecke entdeckt hat, spricht er nur japanisch.

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Wo soll ich nur drücken

Die Bancomaten sehen irgendwie aus wie aus der Vor- Tamagotchi Zeit und sprechen nicht mal englisch. Wenn man aber dann doch einen der raren englischsprechenden entdeckt, akzeptiert er weder die Revolut, noch meine Maestro oder eine andere Kreditkarte. Was für ein Viertweltland! Glaube, die muss man mit Pokemon Glücksbällen füttern. Wenn es so weitergeht, werden das entweder sehr günstige Ferien oder aber wir kommen am Mittwoch schon wieder heim. Auch in vielen kleinen Geschäften werden entweder nur lokale Kreditkarten oder Bares akzeptiert. Was für ein Fünftweltland!

Also direkt weiter zum Kaiserpalast. Der war aber genau heute geschlossen, der Kaiser hatte heute keine Lust auf Besuch. Dann halt nur ein Foto von einem seiner „Wachttürme“:

Kaiserpalast, bzw. der ist versteckt hinter der Mauer und Bäumen

Na gut, dann halt wieder weiter mit der U-Bahn zum Tokyo Skytree, wie gesagt, dem zweithöchsten Gebäuder der Welt. Die Tickets dafür haben wir schon zuhause gekauft, Vorteil ist keine Warteschlange an der Kasse und günstiger.

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Skytree by night und in Weihnachtsstimmung

Rauf geht es zum Glück mit dem Lift, mit einer Geschwindigkeit von 600 Metern pro Minute. Highspeed Lift sozusagen.

Wir gingen noch bei Tageslicht rauf, wollten den Sonnenuntergang geniessen. Komischerweise hatten in der 34 Millionenstadt noch andere den gleichen Plan. Und auch hier muss ich wieder mit dem Züri Fäscht vergleichen; Wenn man einen guten Platz für das Feuerwerk haben will, muss man genügend früh einen Platz ergattern oder Geduld haben. Wir wählten heute das Zweite und warteten geduldig, bis sich in der ersten Fensterreihe ein Platz frei wurde. Und haben diesen dann erfolgreich verteidigt, bis sich die Sonne von Tokyo verabschiedete und milliarden von Lichter angingen.

So sehen glückliche Zuschauer in der ersten Reihe aus

Jaaa, ich weiss, soooo spektakulär sehen die Lichter auch nicht aus und vielleicht kann man auch glücklicher in die Selfie Kamera lächeln. Wenn man aber berücksichtigt, dass wir an unser Geld nicht rankommen, uns heute verschiedene Male mit anderen Personen um den besten Platz duellieren mussten und zudem der Zaubertrank vom Zmorge langsam nachlässt, kann man ganz zufrieden sein 🙂

Also runter und wieder sicher auf der Erde gelandet gab es nur noch ein Ziel heute: Essen.

Per Zufall sind wir in einem koreanischen Resti gelandet. Aber auch hier war die Speisekare nur auf japanisch vorhanden, nicht einmal auf koreanisch. Obwohl ich doch fliessend koreanisch kann…. Doch gab es zum Glück wieder freundliche Helferleins vom Nebentisch, welche für uns etwas ausgewählt haben. Wir haben uns überraschen lassen und wurden nicht enttäuscht, auch wenn ich nicht weiss, was genau wir alles gegessen haben.

Hot Stone mal anders…

Zumindest wurde das Essen frisch an unserem Tisch zubereitet, wir mussten nur noch essen.

Nun ist Schluss für heute, ich muss auf die Toilette, habe so ein komisches Magenrumoren….

Neiiiiiiin, alles bestens, aber morgen geht es mit dem Shinkansen nach Kyoto, ca. 450km Enfernung in etwas mehr als zwei Stunden. Trotzdem müssen wir sehr früh raus, darum jetzt Good night!

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