Bis gestern waren wir ziemlich brav mit dem tauschen von Ware gegen Geld. Das sollte sich heute nun „endlich“ ändern. Wir sind ja schliesslich im Land der Fakes, der Fälschungen. In Shanghai gibt es einige inoffizielle-offizielle Standorte, wo wirklich alle Arten von Waren als Fälschungen angeboten werden. Die Chinesen nennen diese Shanzai. Zum Teil sind dies mehrstöckige Gebäude, richtige Warenhäuser. Obwohl diese offiziell auf der Webseite von Shanghai aufgelistet werden, ist es nicht sicher, ob diese Märkte auch noch existieren. Die chinesische Polizei macht zwischendurch Razzias und schliesst dann mal wieder pro forma einen.
Wir haben uns für den grössten in Shanghai entschieden, den AP Plaza, welcher sich innerhalb eines U-Bahnhofes befindet.

Eingang ins Shanzai Paradies
Und dort findet man endlich auch andere, weisse Aliens, wenn auch nicht viele. Es ist eigentlich auch noch ganz angenehm zum shoppen, wenn man die Eingangszone überwunden hat. Dort stehen die „Vermittler“ und jeder ruft dir zu, dass er die besseren Taschen oder Uhren hat. Beim nur rufen bleibt es meistens nicht, auch Aliens anfassen ist eine beliebte Sportart. Für die ersten 20 Meter braucht man Stahlnerven und denkt sich „Nur wieder schnell raus!“. Aber, wie gesagt, danach wird es ruhig und die Händler lassen einen einigermassen in Ruhe. Ausser, wenn man natürlich länger als ca. 0.7 Sekunden vor einem Laden stehen bleibt, dann hat man persönliche Begleitung inklusive 🙂
Aber auch hier merkt man die Angst vor der Polizei. Sichtbar im Laden wird nur die zweitklassige Ware angeboten (wenn man das bei Fake überhaupt sagen kann) oder nur Marken, welche eine nicht so grosse Anziehungskraft haben. Aber man kommt mit dem persönlichen Begleiter (andere sagen dem CEO des Geschäfts :-)) sehr schnell ins Gespräch und wird dann durch eine oder zwei Geheimtüren in einen Raum gebracht, wo dann das wirkliche Fake Paradies ist. Die Geheimtüren sind als normales Gestell getarnt und können nur mittels einem Code oder Klopfzeichen geöffnet werden.
Nach zwei Geheimtüren endlich im Paradies
Die Gestelle sind zwar nicht so aufgeräumt wie in einer Luxusboutique, aber der CEO findet immer alles sofort was man wünscht. Und dann beginnt das grosse handeln. Ach ja, es gibt sogar eine Shanghai Fake App für Handy mit Tipps und Tricks 🙂 Und dort steht u.a., dass der Startpreis nur ca. 10% des Preises sein soll, zu welchem die Ware angeboten wird. Die Qualität ist zudem einiges besser als in den Fake Fillialen in der Türkei oder Thailand. Es war halt schon immer besser, direkt ab Fabrik zu kaufen 🙂
Nach dem Fake Markt ging es mit der U-Bahn zum nächsten Ziel, dem Tailor Markt. Apropos U-Bahn: Eine Sonderheit bei der U-Bahn in Shanghai ist, dass man in wirklich jeder Station sein Gepäck durchleuchten lassen muss.
Der Röntgenapparat im Hintergrund
Also „müsste“… Die Chinesen haben nämlich keine Lust, jedesmal den Rucksack durchleuchten zu lassen und laufen schnurstracks durch, auch wenn die Security einem fast den Weg versperrt. Irgendwie verständlich. Vor allem in der Rush hour, das gäbe jedesmal einen Riesenstau. Als Alien ist man am Anfang natürlich noch „linientreu“ und gibt jedesmal seine Tasche oder Einkaufstüten ab, aber mit jedem Tag weniger. Ende der Woche konnte auch uns nichts mehr aufhalten 🙂
Und in der U-Bahn sieht es so aus:
Handitis
Die Chinesen sind echt Smartphone verrückt! Leider haben aber die Handies in China meistens keinen Lautlosmodus. Oder warum gamen oder hören sie Musik immer über die Lautsprecher? Es tönt wie in einer Spielhalle. Auch auf der Strasse laufen viele mit 45 Grad gesenktem Kopf umher und sind am töggelen.
Bei Tailor Market wollte ich mir einen Massanzug schneidern lassen, denn in meine athletische Figur passt kein Stangenanzug 🙂 Auch der Tailor Market ist ein mehrstöckiges Haus mit hunderten von Ständen und jeder bietet „good price“ und „best quailty“ an.
Schneider 1 neben Schneider 2 neben Schneider 3….
Wir haben uns vorher im Internet informiert, welcher Schneider gute Rezension hat und da ist einer klar hervorgestochen. Unsere Glückszahl ist 134! Also Stand 134 von Jojo Tailor.
Der Beste der Besten: Jojo Tailor
Und wirklich, hier waren die meisten Leute, natürlich wieder nur Ausländer. Die Beratung ist sehr gut. Und auch die Verkaufsargumente, denn wir haben schlussendlich 2 Anzüge, 2 Hemden, 2 Kravatten und 2 Trechncoats gekauft… Beim Vermessen meinte die Schneiderin nur charmant, dass ich ein Budda Figur hätte. Tja, das lasse ich gelten, Buddas werden ja vergöttert 🙂
Aber auch hier ist eigentlich alles Fake. Denn, z.B. der Trenchcoat hat ein Burberry Muster und sogar Burberry Knöpfe. Sozusagen Mass-Fake. Obwohl wir wirklich nicht die einzigen waren, können wir unsere Kleider schon morgen abholen.
Am Abend gings dann wieder mal zum Chinesen, die Wahl viel auf das Lost Heaven beim Bund. Auch zu empfehlen!
Endlich wieder mal chinesisch essen